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Montag, Dezember 26, 2016

Interview mit Julie Fei Fan Balzer

Interview Julie Fei Fan Balzer und Janna Werner
Julie Fei Fan Balzer | balzerdesigns.typepad.com
Julie Fei Fan Balzer ist autodidaktische Mixed Media Künstlerin, Produktdesignerin, TV-Moderatorin, Autorin und kreatives Multitalent aus der Nähe von Boston. Seit vielen Jahren begeistert sie mich mit ihren verrückten Ideen, bunten Projekten, tollen Stencils, selbstgeschnitzten Stempeln und ihrer fröhlichen Art immer wieder aufs Neue. Im folgenden Interview berichtet Julie über ihren Werdegang, ihr kreatives Leben sowie die Dinge, die sie an ihrer Selbstständigkeit liebt und was ihr daran nicht gefällt. Ich hoffe, ihr habt an diesem Gespräch genauso viel Freude wie ich!

Interview mit Julie Fein Fan Balzer
Frage (F): Julie, vielen Dank, dass Du Dir Zeit für das Interview nimmst. Dein Name ist in der Crafting und Mixed Media Gemeinschaft sehr bekannt - ich freue mich, dieses Interview mit den Lesern meines Blogs zu teilen. Bitte verrate uns, was Du herstellst und wann bzw. wieso Du Deinen kreativen Weg begonnen hast.
Antwort (A): Ich wünschte, ich hätte eine einfache Antwort auf diese simpel erscheinende Frage, habe ich aber nicht. Ich stelle viele verschiedene Dinge her - ich male, ich quilte, ich nähe, ich mache Schmuck und Collagen, ich schnitze Stempel, ich zeichne, mir gefallen viele Tätigkeiten. Wie andere auch, habe ich als Kind mit dem Kreieren von Dingen begonnen. Ich wurde in meinen 20ern bewusst kreativ, in den 30er wurde es dann zu einer Karriere.

F: Du kommst aus dem Scrapbooking Bereich, wie hat sich Dein Stil mit den Jahren verändert? Warum scrappst Du heute?
A: Ich habe mit dem Bemalen von Papier und der Erstellung handgemalter Titel auf meinen Scrapbooking-Seiten aus der Not heraus begonnen. Ich habe in einem Ort gewohnt, in dem vor Zeiten des Internet-Shoppings nicht viele Produkte erhältlich waren. Daher habe ich das Benötigte selbst erstellt. Mit der Zeit fand ich die Gestaltung selbst immer interessanter und es wurde mir weniger wichtig, ein Foto oben drauf zu kleben. Heute führe ich ein Project Life Album. Es befriedigt den 'memory keeper' in mir, ohne dass ich mich dem Ganzen gegenüber künstlerisch verpflichtet fühle.

F: Wer oder was inspiriert Dich?
A: Ich denke, bei mir hat alles seinen Anfang in der eigenen Neugier. Inspiriert zu werden ist in vielerlei Hinsicht eine komische Idee. Ich glaube, man entscheidet sich eher dazu, von der Neugier selbst inspiriert zu werden - wird es funktionieren? Wie stelle ich das an? Kann ich diese zwei Dinge mischen? Was wäre, wenn sie größer wären? Und so weiter.

F: Neben Deiner künstlerischen Tätigkeit bist Du Produktdesignerin, TV Persönlichkeit und regelmäßige Bloggerin. Zudem hast Du ein Buch names 'Carve, Stamp, Play: Designing and creating custom stamps' (Link siehe unten) geschrieben. Kannst Du uns etwas zum Prozess der Bucherstellung erzählen? War es schwer,  ein eigenes Buch zu schreiben?
A: Ein Lehrbuch zu schreiben ist recht langweilig. Es ist wie das Schreiben einer Videorekorder-Anleitung - es ist 100% technisch. Abgesehen davon ist die Tatsache, ein eigenes Buch geschrieben zu haben und damit die Neugierde und Kreativität anderer Menschen anzuregen, den Aufwand wert.

Interview Julie Fei Fan Balzer und Janna Werner
Interview Julie Fei Fan Balzer und Janna Werner
F: Du bist Moderatorin von 'Make It Artsy' auf PBS - kannst Du uns ein wenig über Dein Leben als TV-Persönlichkeit berichten? Wie bist Du zu dem Job gekommen? Woher erhältst Du Deine Projektideen, wie planst und organisierst Du eine Episode und was gefällt Dir am Besten bzw. Wenigsten an Deinem TV Job?
A: Ich hätte nie gedacht, dass ich mal im Fernsehen sein würde. Es ist wie ein seltsamer Traum. Ich habe den Job durch Zufall bekommen. Ich wirkte mit einigen Kunst-Arbeiten an einem Buch über Doodling mit. Sakura, der Stifthersteller, suchte nach jemandem für eine Show namens Scrapbook Memories. Die Firma hatte die Autorin des Buches gefragt, die jedoch nicht teilnehmen konnte. Daher fragte sie, ob jemand anderes Interesse hätte. Ich wurde von Sakura am Telefon interviewt und erhielt den Job. Bei den Filmaufnahmen war die Produzentin sehr von mir beeindruckt und buchte mich für weitere Arbeiten, bis ich schlussendlich meine eigene Show hatte.
Projektideen werden durch eine Kombination von Sponsoren-Produkten und Trends diktiert. Ich versuche, interessante Projekte vorzubereiten, die über Grundkenntnisse hinausgehen, aber immer noch leicht nachzuarbeiten sind. Die Show zu planen und zu organisieren ist wie das Zusammenfügen eines riesigen Puzzles - sehr kleinteilig und es bedarf einiger Planung. Wenn alle Puzzleteile zusammen kommen, ist es das alles aber wert! Das Tolle an der Show ist, dass ich viele Künstler treffe, die ich nur aus dem Internet kenne und mit ihnen zusammen arbeiten darf.
Ich bin kein großer Fan von der Herstellung der für die Show notwendigen 'Step Outs', da sie zeitaufwändig und langweilig sind. Falls ihr nicht wisst, was Step Outs sind: das sind die Zwischenstufen, also teilweise fertigen Projekte. Wenn es z. B. während der Herstellung eines Projekts einen Schritt gibt, in dem Farbe trocknen muss, bedarf es eines Step Outs, bei dem die Farbe bereits getrocknet ist. Wenn man insgesamt 8 Schritte mit getrockneter Farbe zeigt, benötigt man dementsprechend 8 Step Outs.

F: In einem Deiner YouTube Videos erwähnst Du, dass Du Ratsmitglied im Museum of Fine Arts bist. Kannst Du uns bitte erzählen, wie es dazu kam und welche Aufgaben Du dort hast?
A: Ich bin im Leitungskommittee des Rats des Bostoner Museums of Fine Arts. Langer Titel, was? Letztes Jahr traf ich auf einem Museumsevent ein paar Leute, mit denen ich in Kontakt blieb. Irgendwann fragte man mich, ob ich nicht eine Bewerbung für das Leitungskommittee einreichen möchte, was ich dann auch tat! Ich kümmere mich um Events, wir planen soziale Veranstaltungen für den Museumsrat. Es macht mir viel Freude, andere dazu zu ermutigen, sich für das Museum und dessen Angebote zu engagieren.

F: Welcher ist Dein liebster Social Media Kanal und warum? Verfolgst Du eine Social Media Strategie?
A: Kommt auf den Tag an! Ich liebe meinen Blog. Und ich liebe Instagram sowie You Tube. Ich verfolge keine richtige Social Media Strategie, mir ist Authentizität wichtig und dass man nicht zu viel verkaufen will. Ich glaube, die goldene Regel lautet hier: "Was Du nicht willst, was man Dir tu', das füg auch keinem anderen zu". Ich mag es einfach nicht, wenn andere nicht authentisch sind oder zu viel verkaufen, daher versuche ich einfach, ich selbst zu bleiben.

F: Wie fühlt es sich für Dich an, zwischen einem recht prominenten Social Media Leben und Deinem 'echten' Leben zu stehen? Sind es zwei seperate Welten? Wo ziehst Du die Grenze, was Du online zeigst und was nicht?
A: Sie sind schon irgendwie getrennt. Ich bin ich, aber im echten Leben fluche ich und habe eine politische Meinung. In meinem online Leben habe ich das nicht, ich konzentriere mich auf Kunst.

F: Du bist eine selbstständige Künstlerin mit vielen Talenten und Aufgaben - wie hast Du den Sprung in die Selbstständigkeit geschafft, was hast Du vorher gemacht? Wie erklärst Du anderen, was Du tust?
A: Ich habe für viele Jahre als Direktorin im Theater gearbeitet, darin habe ich einen Universitätsabschluss. Als mein künstlerisches Hobby die Oberhand gewann, beschloss ich, den Beruf zu wechseln. Zu dem Zeitpunkt war ich verheiratet, mein Ehemann hat mich damals finanziell unterstützt. Nach unserer Scheidung mußte ich das Ganze eigenständig zum Laufen bringen - mit dieser Realität konfrontiert, habe ich mich beeilt. Zum Glück hat alles geklappt!

Interview Julie Fei Fan Balzer und Janna Werner
Interview Julie Fei Fan Balzer und Janna Werner
F: Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Dir aus?
A: Es gibt in meinem Leben keine richtigen 'Arbeitstage'. Die Sache am Selbstständig sein ist, dass jeder Tag ein Arbeitstag ist. Ich schließe meine Projekte nach Deadlines ab. Je nachdem, was zuerst abgeliefert werden muss, beschäftige ich mich mit dem einen oder anderen Werk. Ich wache morgens auf und arbeite eigentlich den ganzen Tag. Dies wird nur von gesellschaftlichen Verpflichtungen oder Einkäufen unterbrochen.

F: Du bist kürzlich von New York nach Boston gezogen. Hatte dies einen Effekt auf Dein Arbeitsleben?
A: Ich konnte durch den Umzug von New York nach Boston Geld einsparen, welches ich in die Anstellung einer Assistentin investierte. Sie ist mir bei vielen Projekten eine große Hilfe.

F: Was gefällt Dir an der Selbstständigkeit am Wenigsten, was fordert Dich heraus? Und auf der anderen Seite - was ist das Beste daran?
A: Das Beste: ich kann meinen eigenen Zeitplan erstellen. Das Schlimmste: ich mache mir ständig Gedanken darüber, wo der nächste Gehaltsscheck herkommt.

F: Welches sind Deine 3 besten Tipps für Kreative, die Vollzeit-Künstler werden möchten?
A: 1. Mach, was Du liebst - nicht was Du denkst, was Du tun solltest. 2. Arbeite, arbeite, arbeite. Jederzeit und zügig. 3. Hab große Ziele und finde heraus, wie Du diese in kleine, erreichbare Etappen unterteilen kannst.

Interview Julie Fei Fan Balzer und Janna Werner
Interview Julie Fei Fan Balzer und Janna Werner
Vielen Dank an Julie für die vielen Einblicke in ihren (Arbeits-) Alltag. Wenn ihr euch näher mit Julies Arbeit und Kunst beschäftigen möchtet, findet ihr nachfolgend einige Links.

Liebe Grüße,
Janna


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