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Montag, September 11, 2017

Ökologischer Fußabdruck und Kreativsein

Ökologischer Fußabdruck und Kreativsein - Janna Werner
Ökologischer Fußabdruck - was genau soll das eigentlich sein? 
Das Konzept des ökologischen Fußabdrucks, den ein jeder von uns auf der Welt hinterlässt, geht auf Mathis Wackernagel und William Rees zurück. Es bezeichnet "die Fläche auf der Erde (...), die notwendig ist, um den Lebensstil und Lebensstandard eines Menschen (unter den heutigen Produktionsbedingungen) dauerhaft zu ermöglichen" (Quelle).

Wackernagel und Rees sprechen dabei von Angebots- und Nachfrageseite: wieviel Biokapazität bietet die Erde und wieviel verbrauchen wir davon. Über einen Fußabdrucktest kann man seinen eigenen ökologischen Fußabdruck errechnen und erhält Hinweise, wie die eigene Bilanz verbessert werden kann. Der Test beinhaltet die Bereiche Ernährung, Wohnen, Mobilität und Konsum.

Ich ernähre mich pflanzlich, fliege nicht und fahre wenig Auto. Wir kaufen oft Bio, jedoch nicht immer regional. Wir schmeißen selten Lebensmittel weg und sind dazu übergegangen, mit Freunden und Bekannten Bücher, Kleidung oder andere Gegenstände des alltäglichen Lebens zu tauschen - ein guter Anfang. Meine Bilanz ist im Bereich Wohnen (sprich Heizen) und Konsum jedoch deutlich zu hoch - insbesondere in der Müllproduktion. Daher möchte ich an dieser Stelle mein konsumorientiertes Kreativsein einmal kritisch hinterfragen und meine Gedanken mit euch teilen.

Sich selbst an die Nase fassen.
Bereits im Juni habe ich mich im Rahmen der Diskussionen zum Pariser Klimaabkommen mit diesem Thema auseinandergesetzt - zu dem Zeitpunkt wurde der Slogan 'Make the world great again.' mehrfach in sozialen Netzwerken geteilt und besprochen.
"Ich bin Bastlerin und Zeichnerin, ich verursache eine Menge Müll. Viele Materialien, die ich verwende sind aus Plastik, das eine längere Lebenszeit hat als ich. Wir nehmen feinsten Plastikstaub durch Luft und Nahrung auf, die Weltmeere sind überfüllt mit Plastik, in denen Tiere qualvoll verenden. Plastikflaschen geben Schadstoffe und hormonähnliche Substanzen in unsere Getränke, Deos sind mit Alumimium versehen, Kleidung wird chemischen Stoffen ausgesetzt. Wir roden Regenwälder, um Tierfutter anzubauen - 1kg Fleisch benötigt 20.000 Liter Wasser und 16 kg Getreide - so sehr ich dem Rückzug der USA aus dem Pariser Abkommen aus vollstem Herzen widerspreche, sollte jeder auch vor seiner eigenen Haustür kehren. Jesper und ich kaufen keine Plastikflaschen mehr, haben unsere Ernährung und unser Verhalten geändert. Das ist nicht immer einfach und häufig erstmal unbequem, letztendlich jedoch nur Gewöhnungssache. Mein nächstes Vorhaben ist, mein kreatives Konsumverhalten kritisch unter die Lupe zu nehmen und Wege zu einem ökologisch-verantwortungsvollen Umgang mit Materialien / Produktion etc zu finden." (Juni 2017 via Instagram)

Einen Anfang machen
Ich gebe zu, dass ich mehr Bastel- und Malmaterialien besitze, als ich jemals nutzen werde. Daher habe ich zunächst meine Kreativsachen sortiert: ein Stapel mit Dingen, dich behalten möchte, einer mit Sachen, die ich verschenken bzw. verkaufen könnte und einer mit Materialien, bei denen ich mir nicht sicher war. Das Aussortieren fand ich nicht schwer, die anschließende Frage der Aufbewahrung war dann schon kniffliger. Ich verwende transparente Plastikboxen für Papiere, Stempel, Farben, Stifte usw. - mir gefällt das System, da ich alles gut und ordentlich sortiert, dennoch sichtbar verwahre. Ist etwas in einer Schublade, vergesse ich es schnell. Die Plastikboxen wegzuschmeißen war für mich keine Alternative, daher werde ich sie bis zum bitteren Ende nutzen und dann nach einer besseren und ökologischeren Variante suchen. Neben den Boxen nutze ich Holzkörbe und Schubladenelemente. Inwieweit diese umweltfreundlich produziert wurden, bin ich überfragt.

Was ist mit Produktion, Versand und Verpackungsmüll?
Die Aufbewahrung bzw. das Horten von Kreativmaterialien ist eine Sache. Eine andere ist Produktion, Versand und Verpackungsmüll. Ich liebe Stempel, Schablonen, Farben, Stanzer und bedruckte Papiere. Unter welchen Bedingungen und mit welchen Rohstoffen diese erstellt werden, frage ich mich in der Regel eher selten. Die Materialien werden meist aus dem Ausland importiert, sprich hergeflogen und hier wiederum per Lastwagen umhergefahren. Die meisten Dinge sind doppelt und dreifach in Plastik verpackt, welches ich wiederum sorglos in die gelbe Tonne schmeiße - wird ja recycled. So einfach ist das leider nicht, denn Kunststoff-Müll wird z. B. recht häufig verbrannt (vergleiche hier) und die Filter, die die Giftstoffe beim Verbrennen aufnehmen, in Endlagern innerhalb der Erde verwahrt. Große Mengen an Kunststoff landen zudem im Meer, wo sie von Tieren und letztendlich Menschen, sofern diese Tiere essen, aufgenommen werden. Eigentor. Diese Gedanken beinhalten noch nicht mal die Frage nach den Arbeitsbedingungen, unter denen mein Handwerkszeug produziert und vertrieben wurde.

Fragen über Fragen
Nachdem ich mich mit der Aufbewahrung meiner Materialien befasst und erkannte habe, dass jede Frage zehn neue mit sich zieht, habe ich alles aufgeschrieben, was mir durch den Kopf ging, z. B.
  • Woraus bestehen die Materialien, die ich nutze?
  • Wie werden sie entsorgt, welches Recyclingmöglichkeiten gibt es?
  • Wieviele Menschen sind an dem Prozess der Herstellung und des Vertriebs meiner Bastelmaterialien beteiligt und unter welchen Bedingungen arbeiten sie, wie alt sind sie?
  • Wieviel Papier- und Plastikmüll produziere ich?
  • Welche Alternativen gibt es zu den von mir momentan verwendeten Produkten und Materialien?
  • Wer wird von meinen Müllbergen beeinflusst (Menschen, Tiere, Natur)?
  • ...
Ich habe viele Fragen und wenig Antworten. Es wird mir nicht möglich sein, z. B. komplett auf Plastik zu verzichten, zumindest kann ich mir dies aktuell nicht vorstellen. Es gibt aber ein paar kleine Dinge, die sich recht schnell und einfach umsetzen lassen...

Was kann ich tun?
Fängt man damit an, sich mit dem Thema ökologischer Fußabdruck zu beschäftigen, eröffnet sich ein Fass ohne Boden. Der Bereich des Kreativseins ist ja nur ein kleiner Ausschnitt meines Lebens. Hinzu kommen Ernährung (auch die unserer Hunde), generelles Konsumverhalten, Fortbewegung, Wohnen, Umgang mit Ressourcen und Produktionsweisen. Das kann zunächst überfordern und dazu führen, sich macht- und antriebslos zu fühlen. Ging mir jedenfalls am Anfang so.

Mir war erstmal wichtig, mein eigenes Verhalten zu reflektieren und zu überlegen, was ich mit kleinem Aufwand ändern kann. Hier ein paar Ideen bezogen auf mein Kreativverhalten..

Upcycling!
Wer mir schon länger folgt weiß, dass ich eine große Verfechterin des (Bastel-) Upcyclings bin. Hierbei werden alte / nicht gebrauchte Materialien verarbeitet. So werden Gardinen zum Einband oder Kartons zum Grundgerüst eines Mini Albums. Man muss nicht alles neu kaufen oder stets dem neuesten Trend hinterjagen (auch wenn es mitunter Spaß macht ;) ). Hier ein Video Tutorial zu einer Upcycling Scrapbooking Seite.

Ökologische Produkte und regionale Hersteller
Es gibt zahlreiche Firmen, die sich Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben haben. so werden u. a. ökologische Farben, nachhaltige Verpackungen und recyclebare Materialien angeboten.
Wer sich unsicher ist, kann Firmen und Shops direkt anschreiben und nach Herstellungsarten, -ländern, der Produktionskette oder Umweltzertifikaten fragen.

Natur nutzen
Alisa Burke zeigte kürzlich ein Foto auf Instagram, auf dem sie mit einer Blume stempelte. Die Idee hat mir sehr gut gefallen. Es gibt auch zahlreiche Anleitungen, bei denen z. B. Kartoffeln genutzt werden.

Tauschen oder im Flohmarkt anbieten
Viele Kreative sind rege am Tauschen, Bastelflohmärkte gibt es ebenfalls zahlreiche, z. B. in organisierten Facebook-Gruppen. Ich gebe meine Materialien auch gerne an Kindergärten oder Seniorenheime. Da gibt es immer jemanden, der sich freut oder etwas gebrauchen kann.

Fazit
Ich glaube, am Wichtigsten ist die Bereitschaft, sich aktiv mit dem Thema zu befassen und nicht mit Scheuklappen herumzulaufen. Der stetig zunehmende Verbrauch an Ressourcen sowie die steigende Vermüllung stellen ernsthafte Probleme dar, mit denen wir und und unsere Kinder konfrontiert sind. Und wenn ich mit einer Änderung meines Konsumverhaltens etwas zum Umweltschutz beitragen kann, dann möchte ich das unbedingt tun.

Ich wünsche mir, dass mein Post dazu anregt, das eigene kreative Konsumverhalten zu reflektieren und das Thema ökologischer (Kreativ-) Fußabdruck zu diskutieren. Nachstehend noch ein paar Links zu Filmen und Büchern, die mich berührt haben und sehr informativ sind.

Ich freue mich über eure Anregungen, Ideen und Gedanken.
Liebe Grüße,
Janna

weiterführende Links

Kommentare :

  1. Liebe Jana,
    Auch ich versuche so wenig Plastik wie möglich zu kaufen....aber das gestaltet sich schwieriger als gedacht. Nach nun gut 1,5 Jahren ist unser Plastikmüll zwar schon geschrumpft, aber ich hätte gerne noch weniger. Ist aber oft nicht umsetzbar.
    Immerhin - und darauf bin ich stolz - hier gibt es seit dem keine gekauften Plastikmülltüten mehr und auch kaum noch Putzmittel, die gekauft sind.

    Selbstgemachte Kosmetikartikel sind nur bedingt möglich, aber naja.

    Beim basteln ist das so eine Sache für sich. Der große Stempel Hersteller hat sich ja vor Ca. 2-3 Jahren vom Papier verabschiedet und nutzt jetzt luftpolster Schutz, was ich nach wie vor richtig dämlich finde. (Upcycling ist damit nicht mehr)

    Es ist nicht immer leicht, gerade wenn man nicht auf gewisse Produkte verzichten möchte, aber Kleinigkeiten zu ändern ist schon mal ein Anfang :)

    Lg Lea

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    1. Hallo Lea,
      DIY Kosmetik steht noch immer auf meiner Liste, habe ich mich bisher noch nicht rangetraut. Plastiktüten nutzen wir auch selten und wenn, dann werden sie bis zum bitteren Ende wiederverwendet.
      Die Verpackungen bei Versandhandel sind teilweise irre - hundertfach eingewickelt, viel zu große Kartons, wenn Kleinigkeiten verschickt werden etc. Immerhin drucken nicht mehr alle Rechnungen aus, sondern verschicken sie per Mail. Finde ich eine gute Idee.

      LG Janna

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  2. Liebe Jana,
    die meisten deiner Gedanken habe ich mir auch schon gestellt - und es ist manchmal soooo frustrierend und müde machend zu versuchen, unnötigen Müll (besonders Plastik bzw alles aus Erdöl produzierte) zu vermeiden - aber letztendlich zählt alles - jeder Gedanke und Versuch der Umsetzung zählt! Seitdem geht es mir besser mit wechselnd großem "Gelben Sack"... Let´s go on!
    ♡liche Grüße von
    Sabine aus WO(rms)

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    1. Hallo Sabine,

      danke für Dein Feedback - ich sehe es wie Du: jeder kleine Schritt zählt!

      LG Janna

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